Als Arzneimittel oder Pharmaka (Singular das Pharmakon “Gift, Droge, Arznei“) gelten laut deutschem Arzneimittelgesetz (AMG) Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen, die zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt sind, um:
Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder krankhafte Beschwerden zu heilen, zu lindern, zu verhüten oder zu erkennen, Krankheitserreger, Parasiten oder körperfremde Stoffe abzuwehren, zu beseitigen oder unschädlich zu machen,
die Beschaffenheit, den Zustand oder die Funktionen des Körpers oder seelische Zustände zu erkennen oder zu beeinflussen, vom menschlichen oder tierischen Körper erzeugte Wirkstoffe oder Körperflüssigkeiten zu ersetzen (§ 2 Abs. 1 AMG).
Außerdem gelten als Arzneimittel z. B. Gegenstände, die ein Arzneimittel nach § 2 Abs. 1 AMG enthalten oder auf die ein solches Arzneimittel aufgebracht ist und die dazu bestimmt sind, dauernd oder vorübergehend mit dem menschlichen oder tierischen Körper in Berührung gebracht zu werden (§ 2 Abs. 2 Nr. 1 AMG).
Diese Definition ist auch in vielen Lehrbüchern nachzulesen, welche die Arzneimittellehre ausführlich beschreiben.
Das traditionelle Verzeichnis der gebräuchlichen Arzneimittel ist das Arzneibuch. In diesem wird die Herstellung und Qualitätsprüfung einzelner Arzneimittel in detaillierten Monographien beschrieben. Viele der modernen Fertigarzneimittel sind im Arzneibuch nicht erfasst. Diese werden in Arzneimittelverzeichnissen wie der Roten Liste oder in einem anderen Arzneimittel Lexikon in ihrer Zusammensetzung oder zum Beispiel in ihren Anwendungsgebieten erläutert. Hier ist eine umfassende Arzneimittelliste erstellt worden, die ständig aktualisiert wird.
Arzneistoffe sind Wirkstoffe, die aus Pflanzen, Tieren, Mikroorganismen,
Sera (Seren aus Tieren, durch Impfen (Vakzinen))
oder durch Synthese bzw. Teilsynthese gewonnen werden.
Um eine Arzneimittelzulassung zu erhalten, müssen
Fertigarzneimittel in Deutschland gemäß § 21 Abs. 1 AMG vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte oder dem Paul-Ehrlich-Institut zugelassen werden. Neben Versuchen an Tieren sind dabei in der letzten Phase der Einführung auch klinische Studien vorgesehen, bei denen der neue Wirkstoff am Menschen erprobt wird, um Wirkungen und Nebenwirkungen festzustellen.
Der Verkehr mit Arzneimitteln ist in Deutschland genau geregelt. Arzneimittel werden hier nach ihrer Erhältlichkeit in vier Gruppen eingeteilt werden:
Gefälschte Arzneimittel stellen ein zunehmendes Problem dar. Angeboten werden sie bei uns oftmals über das Internet, daher ist es hier besonders wichtig, sich der Gefahr von Fälschungen bewusst zu sein und sich vor Arzneimittelfälschungen zu schützen.
Die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation zur Verbreitung gefälschter Arzneimittel sind alarmierend: Man schätzt, dass in Industriestaaten etwa 1 % und in Entwicklungsländern mehr als 10 % der im Handel befindlichen Medikamente gefälscht sind. Es ist davon auszugehen, dass der Markt der gefälschten Arzneimittel weiter wachsen wird.
In Europa – und auch in Deutschland – werden ebenfalls immer mehr gefälschte Arzneimittel gefunden. Die Medikamente (vor allem Schlankheitspillen und Medikamente gegen Erektionsstörungen) werden bei uns am häufigsten von illegalen Internet-Versandhändlern in Verkehr gebracht, daher ist der Anteil der Fälschungen hier mit über 50 % besonders hoch.
In Entwicklungsländern und Industrieländern werden unterschiedliche Arzneimittel gefälscht. Während in Entwicklungsländern am häufigsten Medikamente gegen Malaria, Tuberkulose oder HIV gefälscht werden, sind in Europa eher Lifestyle-Medikamente, Wachstumshormone und Schlafmittel betroffen. Auch Medikamente zur Behandlung von Erektionsstörungen, wie zum Beispiel Cialis® (Tadalafil), werden gefälscht.
Allgemein wird in zwei große Gruppen von Fälschungen unterschieden:
Das Medikament selbst ist ein Original-Medikament, befindet sich aber in einer gefälschten Verpackung. Dann hat ein Fälscher beispielsweise eine preiswerte Großpackung in viele kleine – und in der Summe teurere – Einzelpackungen aufgeteilt.
Stimmen weder der Wirkstoff noch die Verpackung, spricht man von einer Totalfälschung. Bei Totalfälschungen sind zwei Untergruppen zu unterscheiden:
Totalfälschungen, die gar keinen oder zu wenig Wirkstoff enthalten.
Totalfälschungen, die zu viel oder sogar einen anderen, unbekannten Wirkstoff enthalten – mit unkalkulierbaren Gefahren für den Anwender.
Die Mehrzahl der Fälscher ignoriert die Standards einer modernen Arzneimittelherstellung, daher sind die entstehenden Produkte von fragwürdiger Qualität.
Die Einnahme einer Totalfälschung, die zu viel eines Wirkstoffs oder einen unbekannten Wirkstoff enthält, kann im schlechtesten Fall lebensgefährlich sein. Enthält die Fälschung keinen oder zu wenig Wirkstoff, kann – z. B. bei einem Antibiotikum – die ausbleibende oder unzureichende Wirkung eine Gefahr darstellen.
Originalware in gefälschter Verpackung kann ebenfalls kritisch sein: Wenngleich es sich hierbei ursprünglich um Originalware handelte, können unkontrolliertes oder unsachgemäßes Lagern oder Umpacken eine gesundheitliche Gefährdung durch Verwechslungen und Qualitätsminderungen darstellen. Nicht zuletzt könnte auch Ware umgepackt worden sein, deren Verfalldatum bereits überschritten war.
Arzneimittel von Internetanbietern, deren Adresse verschleiert und somit für den Absender nicht deutlich ist, sind nach Aussagen der WHO zu mehr als 50 % gefälscht. Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland gefälschte Arzneimittel am häufigsten über Internet- und Versandhandel in Umlauf gebracht werden, denn leider gibt es neben den legalen und zuverlässigen Internetapotheken auch eine Vielzahl unseriöser Anbieter.
Aber auch ein Arzneimittel, das in der Disco, im Bodybuilding Studio oder in zweifelhaften Shops unter der Hand angeboten wird, kann eine Fälschung sein.
Zu Wachsamkeit wird auch beim Kauf von Arzneimitteln im Ausland geraten.
In Deutschland ist es am sichersten, ein Arzneimittel bei einer niedergelassenen Apotheke oder einer zugelassenen Versandapotheke zu kaufen. Hier ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering, ein gefälschtes Arzneimittel zu erhalten.
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